Droht der Menschheit nicht eine Katastrophe: die "Bevölkerungsexplosion" der Dritten Welt?

Auch dieser Gedanke geht auf Malthus zurück. Nach ihm wächst die Bevölkerung exponentiell, aber die Nahrungsmittelressourcen nehmen nur in linearer Progression zu. Diese Theorie macht sich nun in kaum veränderter Form breit: "Die Menschen sind arm, weil sie zu zahlreich sind." Diese Behauptung wird von den Medien nach dem Motto verbreitet: "Zahlreich sein heißt arm sein".

Man muß diese Feststellung jedoch umkehren. Die Menschen sind nicht deswegen arm, weil sie zahlreich sind, sondern sie sind zahlreich, weil sie arm sind. Wer der Armut ein Ende zu machen sucht, indem er die Geburtenrate energisch eindämmt, zäumt das Pferd vom Schwanz auf.

Ein Bevölkerungsüberschuß mißt sich stets an einer präzisen, konkreten und variablen Situation. Armut mißt sich stets an der Fähigkeit des Menschen, seine Umwelt zu beherrschen: Eine Nation ist arm, weil sie ihre Bevölkerung nicht ernähren kann. In diesem Sinne ist die Armut die Ursache der Überbevölkerung und nicht umgekehrt. Die Überbevölkerung steht immer im Verhältnis zu einer gegebenen Situation. Diese aber läßt sich durch menschliches Einwirken verändern, wenn der Mensch nur den moralischen und politischen Willen dazu besitzt. Es gibt Fälle, wo mangelnde materielle, geistige und moralische Ausstattung eine vernünftige Landbebauung verhindert, und dann sind dort die Menschen zu zahlreich. Aber diese Situation wäre veränderbar: durch bessere Organisation, Erziehung und Bildung, Ausstattung.

Das bedeutet nicht etwa, daß die demographischen Phänomene beiseitegelassen werden könnten: An der einen Stelle herrscht Niedergang, an der anderen Wachstum. Gewiß muß sich der Staat darum kümmern. Aber hier wie anderswo gilt das Subsidiaritätsprinzip als Grundlage jeder Demokratie1. Das staatliche Eingreifen muß die Grundrechte des Menschen wahren. Der Staat darf nicht nach freiem Belieben und zu jedem beliebigen Preis tätig werden.

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  1. Nach dem Subsidiaritätsprinzip muß der Staat den einzelnen und den Trägerschichten, mithin der Familie, beim Initiativwerden behilflich sein, darf sich aber nicht an ihre Stelle setzen.

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