Manche sprechen sogar von einer "Bevölkerungsbombe".

In den Augen der Ideologen der demographischen Selbstverteidigung bedeutet eine große Menschenzahl automatisch Armut. Aber nicht die Armen bilden die Bombe des dritten Jahrtausends, sondern die Armut der Länder der Dritten Welt. Die Diagnose muß richtig gestellt und Ursache und Wirkung dürfen nicht verwechselt werden.

a) Wie sich die Krankheit nicht dadurch beseitigen laßt, daß man die Kranken der Euthanasie opfert, lassen sich auch die Ursachen der Armut nicht damit beseitigen, daß man die Armen sterilisiert. Um die Ursachen der Armut und der Sterblichkeit auszuräumen, ist aufs dringendste geboten, daß alle Kinder, die geboren werden, eine Erziehung erhalten, die es ihnen erlaubt, als Erwachsene für sich selbst zu sorgen; dabei muß man ihnen helfen. Denn ein armes Kind ist ja nicht nur ein Bauch mehr, sondern es ist vor allem zwei Arme mehr, die arbeiten können, und ein denkendes Gehirn, das durch sein Denken den Reichtum der Erde zu erhöhen vermag.

b) Es dürfte äußerst schwer fallen, ein historisches Beispiel zu finden, bei dem einem Geburtenschwund ein Entwicklungsschub gefolgt wäre. Vielmehr verläuft die geschichtliche Gesetzmäßigkeit genau umgekehrt.

Der große Bevölkerungsschub ist nicht die Folge von mehr Geburten, sondern einer schnell sinkenden Sterblichkeit (insbesondere der Kinder) und daher auch ein vorübergehendes Phänomen, das übrigens auch die Industrieländer durchlebt haben. Die sinkende Sterblichkeit ist ihrerseits die Folge schneller Fortschritte der Medizin, der sanitären Einrichtungen, der Ernährungs- und Wohnungsqualität usw. Üblicherweise geht mit einem Bevölkerungsschub, wenn nicht eine fehlgeleitete Politik den Zusammenhang stört, mit gewisser Verzögerung eine wirtschaftliche Entwicklung einher. Natürlich spielen sich hier komplexe Wechselwirkungen ab, weshalb die Kausalität nicht auf eine einzige Richtung reduziert werden darf. Vielmehr fördert das demographische Wachstum die wirtschaftliche Entwicklung, und diese wirkt wiederum auf das demographische Wachstum zurück. Soviel läßt sich jedenfalls sagen: In der Geschichte hat ein Bevölkerungsschub - mit gewisser Verzögerung - dank rationaler und effizienter eingesetzter Menschen und Mittel in aller Regel einen Wachstumsschub bewirkt, und nicht einen Armutsschub.

c) Wäre der Fruchtbarkeitsrückgang mechanisch mit einem Anstieg des Reichtums verknüpft, müßten sich für diese Beziehung Beispiele finden. Das Gegenteil ist der Fall: In Brasilien etwa ist die allgemeine Fruchtbarkeitsrate zurückgegangen, das heißt, die jährliche Geburtenzahl im Verhältnis zur Zahl der fortpflanzungsfähigen Frauen, verringerte sich zwischen 1960 und 1990 von 6,3 auf 3,13 und lag 1997 bei nur noch 2,5 Kinder pro Frau; die Bevölkerungs-Wachstumsrate ging von 2,89 auf 1,4 Prozent zurück. In Mexiko fiel die Fruchtbarkeitsrate pro Frau von 6,2 Kindern im Jahre 1965 auf 3,1 Kinder im Jahr 1995, die jährliche Bevölkerungszuwachsrate sank von 2,8% (1963) auf 1,8% (1997) und dürfte im Jahr 2013 knapp 1% erreichen (die Beispiele ließen sich beliebig verlängern). Hat sich in derselben Zeit die Armut in diesen Ländern etwa im gleichen Maße verringert?

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