Wie stellt sich die demographische Lage aus europäischer Sicht dar?

Um in entwickelten Ländern den bloßen Generationenersatz sicherzustellen, muß die Fruchtbarkeitsrate mindestens 2,1 Kinder pro Frau betragen (dabei werden für ein bestimmtes Jahr die Kinder gezählt, welche die am 1. Januar des betreffenden Jahres zwischen 15 und 49 Jahre alten Frauen zur Welt gebracht haben, und diese Teilquotienten werden zusammengezählt)."

Dieser Fruchtbarkeitsindex liegt praktisch überall in Europa deutlich unter dem für den Generationenersatz notwendigen Grenzwert. In der Europäischen Gemeinschaft zeigen die 1993 von Eurostat veröffentlichten Zahlen einen Fruchtbarkeitsindex, der 1960 noch bei 2,61 lag und 1996 auf 1,44 abgerutscht ist. Einzig und allein Irland sicherte 1990 mit 2,10 noch den Generationsersatz, ist jedoch inzwischen ebenfalls unter die Ersatzrate abgefallen (1996: 1,71). Ein jeder bilde sich selbst sein Urteil: Die letztverfügbaren Daten von Eurostat lauten: Vereinigtes Königreich: 1,70; Belgien: 1,55; Schweiz: 1,52; Deutschland: 1,30; Italien: 1,22; Spanien: 1,15 (alle Daten: 1996).

Noch aufsehenerregender ist der Zusammenbruch in den osteuropäischen Ländern: In Ostdeutschland ist die Zahl der Kinder pro Frau buchstäblich in einen Sturzflug übergegangen: von 1,80 vor dem Fall der Mauer auf 0,80 im Jahre 1992; mittlerweile (1996) bietet es den traurigen Weltrekord von 0,77. Aber auch Rußland fiel binnen zwei Jahren (1990-1992) von 1,90 auf 1,56 und lag 1994 bei 1,40. Das katholische Polen fiel von 2,33 Kindern pro Frau (1985) auf 1,95 (1992) und wies 1995 nur noch eine Rate von 1,61 auf. Ähnlich verheerend steht es in der Slowakei (1990: 2,09; 1995: 1,52), Slowenien (1995: 1,29), der Ukraine (1995: 1,40) oder der Republik Belarus (1995: 1,39). In Rußland sterben seit Ende 1991 sogar jährlich mehr Menschen, als geboren werden. Bis 1965/1970 hatte der synthetische Fruchtbarkeitsindex in Europa fast überall noch über 2,1 gelegen, ist aber seitdem um 30 Prozent zurückgegangen und liegt bei 1,5 Kindern pro Frau. Zum Vergleich: Dieser Index, der seit 1965 auf fast allen Kontinenten zurückgeht, wird weltweit auf 3,0 und für die Entwicklungsländer (einschließlich Chinas) auf 3,4 geschätzt.

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