Die Straffreiheit der Abtreibung und die sich daraus ergebende praktische Liberalisierung lasten also als schwere Drohung auf unserer Gesellschaft?

Die Philosophin Simone Weil (1909-1943) schrieb einmal an Bernanos: "Haben die zeitlichen und geistlichen Autoritäten einer Kategorie von Menschen erst einmal den Lebenswert abgesprochen, dann gibt es für den Menschen nichts Normaleres mehr als zu töten. Weiß man erst einmal, daß man töten kann, ohne dafür bestraft oder gerügt zu werden, dann tötet man auch oder lächelt zumindest denen, die es tun, aufmunternd zu. Empfindet man vielleicht anfänglich noch etwas Abscheu davor, so verschweigt und verdrängt man ihn aus Angst, man könnte nicht als mannhaft gelten."1 Genauso geht es mit der Abtreibung, die als Übel meist "geduldet" wird, bis dann die Gesetze so "modernisiert" sind, daß aus einer strafbaren Nothandlung ein medizinischer, von der Gesellschaft abgesegneter Akt wird.

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  1. Dieses Zitat findet sich neben vielen anderen ebenso interessanten in der großen Sammlung Licéité en droit positif et références légales aux valeurs, die Jacques Verhaegen zusammengetragen hat. Brüssel, Ed. Bruylant, 1982, S. 166.

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