Muß man nicht einem Ungeborenen, auf das nur Leiden oder eine Behinderung warten, namens der Lebensqualität sein Los ersparen?

Die größte Bedrohung der Gesundheit ist der Lebensverlust. Man darf Leben nicht mit Lebensqualität gleichsetzen. Diese beiden Begriffe stehen nicht auf derselben Ebene, wie ja auch Demokratie und die Qualitäten (oder Mängel) der Demokratie nicht auf derselben Ebene stehen. Entweder lebt man in einem demokratischen, oder aber in einem totalitären Regime. Lebt man in einem demokratischen System, so ist noch lange nicht gesagt, daß dieses nicht auch Mängel hat. Gewiß müssen die Mängel bekämpft werden, aber das schlimmste Mittel dazu wäre die Beseitigung der Demokratie als solcher.

Auf dieselbe Weise führt auch ein behindertes Kind oder ein bettlägeriger Greis noch eine menschliche Existenz. Beide können auch deshalb "nützlich" sein, weil sie durch ihr Dasein den Mitmenschen Gelegenheit geben, Humanität und Solidarität zu üben. Die Dimension des Lebens läßt sich nicht auf die schiere Lebensqualität reduzieren. Gesundheitliche Beeinträchtigung ändert an dieser Grundgegebenheit rein gar nichts.

Die Menschenrechte gelten somit für jedes menschliche Wesen allein deshalb, weil es ein menschliches Dasein führt. Dieses wohnt seinem Körper inne: Die körperliche Dimension gehört wesenhaft zum menschlichen Dasein. Nur aus dieser Existenz als solcher erhalten die physischen und psychischen Qualitäten eines Menschen ihren Sinn.

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