Wenn ein Ungeborenes mißgestaltet ist, sollte man es dann nicht besser abtreiben, um ihm ein menschenunwürdiges Dasein zu ersparen?

a) Was ist menschlicher, ein mißgestaltetes Menschenwesen zu beseitigen oder ihm nach bestem Vermögen zu einem besseren Dasein zu verhelfen? Wenn sich die Mutter oder die Familie hierbei überfordert fühlen, muß die Gesellschaft sie dann vollends in die Verzweiflung treiben, indem sie ihr allein die ganze Last aufbürdet, oder sollte nicht eher die Gesellschaft ihr behilflich sein?

b) Das Tragische ist, daß das Kind so gesehen zum reinen Konsumgegenstand wird: Man will es, um sich ein Vergnügen zu leisten. Man behandelt es wie ein Video oder ein Auto: Wenn "es" gefällt, nimmt man's, sonst treibt man ab.

Doch das mißgestaltete Kind ist ein vollgültiges Mitglied der Menschheit und verdient, als solches leben zu dürfen. Beseitigt man es wegen seiner Mißgestaltung, dann beseitigt man bald auch jedes Kind, das nicht den erwünschten Teint oder das erwünschte Geschlecht hat. Was hier unerwünscht ist, ist nicht das Kind, sondern seine Behinderung.

c) Man kann auch umgekehrt argumentieren. Es gibt viele Beispiele, in denen ein anomales Kind durchaus glücklich wird. Nehmen wir die trisomischen Kinder zum Beispiel. Wer will entscheiden, daß sie unglücklich sein werden? Befragt man die Eltern, dann erklären sie mit überwältigender Mehrheit, daß ihre Kinder glücklich sind: Viele Probleme "normaler" Sterblicher bleiben ihnen erspart! Mehr noch: Die meisten dieser Eltern sind glücklich mit ihrem Kind, das fast durchweg von den Geschwistern angenommen wird. Es gibt sogar Fälle, in denen trisomische Kinder zerstrittene Ehepaare wieder zusammengeführt haben, weil es galt, ein gemeinsames Problem gemeinsam zu bewältigen. Ein Kind, das ein rein vegetatives Leben führt, kann das Leben seiner Eltern völlig verwandeln: Sie nehmen es mit ausgebreiteten Armen auf und tun alles, damit kein Kind mehr verstoßen wird.

d) Schließlich muß man sich die Frage stellen, was denn eine Existenz menschenwürdig macht. Gewiß gibt es tragische Fälle und Existenzen, deren Sinn sich rein menschlich betrachtet nur schwer ausmachen läßt. Aber ist es nicht anmaßend zu behaupten, es sei kein Sinn vorhanden, nur weil wir ihn nicht zu sehen vermögen? Diese Einstellung laßt sich weder intellektuell noch moralisch durchhalten. Zudem: Ab welcher Schwelle soll eine Existenz menschenunwürdig sein? In Frankreich hat sich eine Frau sogar sagen lassen müssen, sie solle abtreiben, weil das Kind, das sie unter dem Herzen trage, voraussichtlich unfruchtbar sein werde!

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