Gegen die totalitären Sexualprogramme der Vereinten Nationen regt sich Widerstand

 

Vor dem "Kinder-Gipfel" im September in New York: Vatican-Diplomat Martino beharrt auf dem Eltern-Recht

 

Von Marie Czernin

Die Tagespost

Dienstag, 6. Februar 2001 Nr. 16

 

Mit einer ganzen Serie von Tagungen und Konferenzen wollen Vereinte Nationen und UNICEF ein so genanntes "Fortpflanzungsrecht" für Kinder erkämpfen. Als Reaktion darauf hat die junge Kanadierin Anna Halpine vor zwei Jahren die weltweite "Allianz von Jugendlichen" gegründet.

 

Rom (Dt) Die "Rechte der Kinder" sollten im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit der Vereinten Nationen stehen, wenigstens an dem Tag, an dem die UNO das "Gipfeltreffen für Kinder" (World Summit for Children) veranstalten wird. Doch ob es den Veranstaltern eines solchen Gipfeltreffens wirklich um die Rechte der Kinder geht, wird immer mehr bezweifelt. Sowohl die Delegation der Vatikanbeobachter bei der UNO als auch einige Lebenschutz-Organisationen, die als so genannte NGO's (Non Governmental Organizations) ein Mitspracherecht bei den Vereinten Nationen besitzen, zeigen große Vorbehalte gegenüber dieser Initiative.

 

In den vergangenen Tagen hat sich in New York zum zweiten Mal ein Komitee versammelt, um das nächste "Gipfeltreffen" für Kinder vorzubereiten. Das Treffen wird vom 19. bis 21. September 2001 in New York stattfinden. Solch einen "Kinder-Gipfel" hatte es zum ersten Mal im Jahre 1990 gegeben, wobei damals die Konvention über die Rechte der Kinder vom Jahre 1989 approbiert wurde. Bevor sich nun im September wieder die Staatschefs der Mitgliedsstaaten in New York versammeln werden, bereiten die Vereinten Nationen ein Dokument vor, das im September approbiert werden soll. Das Vorbereitungskomitee, das sich vergangene Woche in New York versammelt hat, soll sich auch im Juni wieder treffen, um an der Formulierung jener Erklärung weiterzuarbeiten.

 

Mit einer "Fachsprache" verschleiert, um was es geht 

 

Nach Angaben der UNICEF - dem Kinderfonds der Vereinten Nationen - wird der "Kinder-Gipfel" im September überprüfen, inwiefern der Aktionsplan und die internationale Erklärung des Gipfeltreffens von 1990 umgesetzt worden sind. Das klingt alles ganz schön, nur bleibt dadurch verschleiert, um was es der UNICEF eigentlich geht. "Die Eltern würden geschockt sein, wenn sie wüssten, dass die UNICEF Abtreibungen und sexuelle Rechte für Kinder propagiert", erklärt Anna Halpine, eine 23 Jahre alte Kanadierin. Zusammen mit einigen Freunden hat die junge Frau vor zwei Jahren eine weltweite "Allianz von Jugendlichen" (World Youth Alliance) gegründet, um kritisch auf eine ganze Serie von internationalen Konferenzen und Initiativen zu antworten, die sich in den vergangenen Jahren dem Thema "Jugend" gewidmet haben. Alarmierend und ausschlaggebend für die Entstehung einer "Allianz von Jugendlichen" war im Sommer 1998 das Treffen im portugiesischen Braga, wo von den "sexuellen Rechten" und von "Fortpflanzungsrechten" junger Menschen die Rede war, wobei die Weltgesundheitsorganisation (WHO) das Alter von Jugendlichen, die auf solche "Rechte" Ansprüche stellen können, auf zehn Jahre herabsetzte. 

 

Was man in der "Fachsprache" der Vereinten Nationen unter dem Wort "Fortpflanzungsrecht" (reproductive right) für Jugendliche versteht, ist erstaunlich: Schon in den Grundschulen soll es Kindern ab zehn Jahren möglich sein, ohne eine vorhergehende Beratung von Seiten der Eltern Verhütungsmittel zu erhalten und Abtreibungen vornehmen zu lassen.

 

Da bei diesen internationalen Konferenzen lange keine Lebensschutz- oder Familien-Organisationen vertreten waren, reagierte Anna Halpine mit der Gründung der "Allianz von Jugendlichen", die alle Jugendbewegungen "für das Leben" und "für die Familie" zu einem Interessen-Verband zusammenschließt, um ihnen mehr Gehör bei den Vereinten Nationen zu verschaffen. Sie ist somit die einzige Lebensschutz- und Familien-Jugendorganisation, die auf internationaler Ebene tätig ist.

 

Wie die junge Kanadierin feststellen konnte, soll UNICEF unlängst Gelder für Abtreibungsprojekte eingesammelt haben, indem sie Kinder zum amerikanischen Halloween-Fest mit Sammelbüchsen in Privathäuser schickte. "Es ist abstoßend, zu sehen, dass UNICEF Kinder ausnützt und sie Gelder sammeln lässt, die der Zerstörung von Kindeen und Frauen in der dritten Welt dienen", beschwert sich Anna in einem Interview und fährt fort: "Mit einer radikalen Agenda für 'sexuelle Rechte von Jugendlichen', die eine Einmischung von Eltern zu begrenzen versucht und die sich weigert, die Grenzen solcher Ausdrücke zu definieren, missbraucht UNICEF das Vertrauen, das die Öffentlichkeit in eine Organisation gesteckt hat, die sich angeblich um die Kinder annimmt". UNICEF wurde im Jahre 1946 gegründet mit der Idee, den hungernden Kindern nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges zu helfen. Mit der Zeit hat sich jedoch die Organisation immer mehr von ihrem ursprünglichen Anspruch entfernt und sich zu einem Förderer von umstrittenen "Kinder-Rechten" entpuppt.

 

Was bis vor einigen Jahrzehnten noch als selbstverständlich galt, dass es nämlich die Aufgabe der Eltern sei, ihre Kinder gerade auch im sensiblen Bereich der sexuellen Entwicklung selbst zu erziehen, ist nun gar nicht mehr so selbstverständlich. Daher sah sich jetzt der Ständige Beobachter des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen, Erzbischof Renato Martino, bei einer Ansprache in New York vor der zweiten Versammlung in Vorbereitung auf den "Kinder-Gipfel" gezwungen, auch auf das "Recht der Eltern" hinzuweisen: "Die Rechte der Kinder müssen immer in erster Linie im Einklang mit dem Recht der Eltern gesehen werden, damit sich ein Kind in die geeignete Richtung entwickeln kann und es angeleitet wird in der Ausführung von Rechten, die ihm in der 'Konvention der Rechte für Kinder' zugestanden werden (CRC Art. 5)".

 

So hatte sich auch Anna Halpine mit den Eltern solidarisiert, als sie während der "Peking plus 5"-Konferenz der Vereinten Nationen 1999 - fünf Jahre nach der Frauen-Konferenz in Peking - als Präsidentin der "World Youth Alliance" vor den Delegierten der Mitgliedsstaaten sprach: "Die Jugend der Welt unterstützt die Rechte und Verantwortungen der Eltern. Sie sehen diese Rechte nicht als eine konkurrierende Bedrohung ihrer eigenen Rechte oder Freiheiten, sondern vielmehr als einen komplementären Teil, durch den die Eltern ihren Kindern eine Sicherheit und Orientierung gewährleisten und ihre Kinder ins Erwachsensein und in die Reife führen können." Daher sei es weder die allererste Sorge der Jugendlichen, "eine totale sexuelle Befreiung, sexuelle Rechte und 'Fortplanzungsrechte' zu erlangen, noch wünschen sie es sich, die Bande, die sie mit ihren Eltern verbindet, zu zerreißen. Eine disziplinierte Erziehung und Anleitung seitens der Eltern ist von zentraler Bedeutung, damit ein Jugendlicher in dieser wichtigen Phase seines Lebens die richtigen Entscheidungen treffen kann, die ihm in seinem Leben zu Erfolg verhelfen."

 

Verfehlte Ideale als Exportgut für die Dritte Welt 

 

Anna Halpine klagte an, dass während der Generalversammlung der Vereinten Nationen "grundsätzliche Dokumente der Menschenrechte, inklusive der universalen Menschenrechtserklärung, die den Eltern das Recht zugestehen, die Erziehung ihrer Kinder auszuwählen und ihre Entwicklung zu begleiten", angegriffen worden seien. Gleichzeitig zeigte sie auf, dass Jugendliche - wie die Forschung längst bewiesen habe - am wenigsten Verhaltensstörungen aufweisen würden, wenn die Bindung zu den Eltern intakt bliebe und den Eltern ihre aufpassende Rolle zugestanden werde. "Eine Sexualerziehung ohne der Einbeziehung der Eltern ist in der entwickelten Welt immer fehlgeschlagen", erklärte sie und erinnerte daran, dass "der Zusammenhang zwischen Sexualerziehung und einer ständig wachsenden Zahl von AIDS-Erkrankten nicht mehr länger ignoriert werden könne. "Es ist unverantwortlich für uns, diese Lebensstile und Aktionen weiterhin gegenüber den Jugendlichen aus aller Welt zu propagieren. Noch weniger sollte die entwickelte Welt diese verfehlten Ideale der dritten Welt aufzwinger."

 

Zu Massensterilisationen und Abtreibungen gezwungen 

 

Auch der emeritierte Professor für politische Philosophie an der katholischen Universität Löwen in Belgien, Michel Schooyans, klagt in seinem jüngst erschienen Buch "La face cachée de l'ONU" (Das versteckte Gesicht der UNO) die Vereinten Nationen an, ihren ursprünglichen Gründungsgedanken, der auf der universalen Erklärung der Menschenrechte im Jahre 1948 beruht, verlassen zu haben. Als Mitglied der Päpstlichen Sozialakademie in Rom sowie des Instituts für Bevölkerungsforschung in Washington hat Schooyans neben seiner akademischen Tätigkeit auch immer wieder bei vielen Projekten in der Dritten Welt mitgearbeitet. Mehr und mehr konnte er sich jedoch im Laufe der Zeit überzeugen, dass groß angelegte Entwicklungsprojekte der Vereinten Nationen in Ländern der Dritten Welt jene viel gepriesenen Menschenrechte meist mit Füßen treten. Unter dem Vorwand, gegen die Armut anzukämpfen, habe man Methoden angewandt, um das Bevölkerungswachstum zu stoppen, die gegen die Würde der Menschen verstoßen und ganze Nationen zu Massensterilisationen und Abtreibungen gezwungen, und das als Bedingen für weitere materielle Hilfeleistungen. Schooyans zeigt auf, wie aus einer internationalen Organisation, deren ursprüngliche Aufgabe es sein sollte, sich für Frieden und Gerechtigkeit einzusetzen, eine internationale Supermacht geworden sei, die begonnen hat, eine neue Form des Totalitarismus anderen Ländern aufzuzwingen.

 

Dass sich die Vereinten Nationen so weit von der feierlichen Erklärung der Menschenrechte entfernen konnten - ein Prinzip, das auf einem Naturrecht beruht -, erklärt Schooyans damit, dass die noch ältere Gründungscharta der Vereinten Nationen von San Francisco (1945) meist übersehen wird. In jener Gründungscharta käme hingegen ein juridischer Positivismus zum Ausdruck: Dies bedeute zunächst, dass in diesem Fall die erlassenen Gesetze nicht mehr dem Prinzip des Naturrechts entsprechen, sondern auf einem Prinzip des Konsenses beruhen, das heißt, dass sie anhand einer Mehrheitsentscheidung getroffen werden. Jene letztlich willkürlich getroffenen Entscheidung des Gesetzgebers könnten daher auch immer wieder verändert werden. Von Anfang an sei das Handeln der Vereinten Nationen von jenem Dualismus - "Naturrecht versus positives Recht" - bestimmt gewesen. Allmählich hätten die willkürlichen Gesetzesentscheidungen jedoch überhand genommen und zu einer neuen, subtileren Form der totalitären Herrschaft über die armen Völker geführt. Die Aufgabe der Kirche sei es jedoch immer gewesen, sich zum Anwalt der Armen zu machen. Deshalb müsse sie jetzt erst recht ihre Stimme gegen ein ungerechtes System erheben und ein mutiges Zeugnis für eine "Kultur des Lebens" geben.

 

Die Tagespost

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