Auf welche Weise kann es dazu kommen, daß der Arzt die Belange des einzelnen denen der Gesellschaft unterordnet?

Es gibt eine steigende Tendenz zur Politisierung der ärztlichen Tätigkeit. "Politisierung" bedeutet hier, daß der Arzt als derjenige dargestellt wird, der die biologische Dimension der Gesetze der "Ordnung" und des "Fortschritts" des menschlichen Daseins keime. Darum, so heißt es, müsse er zum Entstehen eines neuen Menschen beitragen, der die Menschheit genetisch verbessere.

Unter diesen Voraussetzungen wird der Arzt zunehmend zum Diener von Politik und Gesellschaft anstatt des einzelnen. Der einzelne wird nach Maßgabe seiner Nützlichkeit oder Schädlichkeit für den Sozialkörper eingestuft, der allein noch zählt. Damit gelangt man zu einer Kategorisierung von Menschen - etwa nach rassischen, medizinischen, wirtschaftlichen und anderen Kriterien -, die für die Gesellschaft die Gefahr einer moralischen und rechtsstaatlichen Degenerierung mit sich bringt.

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