Ist es nicht ein Widerspruch in sich, wenn die westlichen Staaten abtreibende Produkte exportieren und sich gleichzeitig als Vorkämpfer der Menschenrechte, der Demokratie und der Entwicklung gebärden?

Die Staaten des Westens, die so schnell bei der Hand sind, sich als - nicht nur wirtschaftlich-technisches, sondern auch zivilisatorisches - "Modell" für die ganze Welt zu empfehlen, müssen endlich erklären, wie sie es fertigbringen, zwei Missionen, die sie für sich beanspruchen, miteinander zu vereinen: sich einerseits als Paladine der Entwicklungshilfe1 und Herolde der Menschenrechte zu gebärden, und andererseits zugunsten des Establishment die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Probleme zu medikalisieren und demselben Establishment die absolute Waffe gegen die "Unerwünschten" an die Hand zu geben.

Dieser Widerspruch belastet die Glaubwürdigkeit der Staaten des Westens in den Augen der Welt. Mit welchem Recht gibt sich beispielsweise ein Staat, der die Abtreibungspille deckt, als Ausbund der Demokratie und Herold der Menschenrechte, als Leitstern für die Dritte Weit aus? Wie kann ein Staat, der die Verbreitung dieses (oder eines vergleichbaren) Produkts deckt, noch erwarten, ernst genommen zu werden, wenn er vorgibt, er "bereue" seine früheren kolonialen und imperialistischen Verfehlungen?

________________________________________________________

  1. Vgl. das bemerkenswerte Buch von Graham Hancock, Händler der Armut. Wohin verschwinden unsere Entwicklungsmilliarden?, München, 1989.

blint.gif (141 octets) Next page.

blint.gif (141 octets) Back to "Die internationalen Organisationen".

blint.gif (141 octets) Back to "Inhaltsverzeichnis".