Weshalb kommt dem Staat im Zusammenhang mit der Abtreibung eine Rolle zu?

Die Qualität eines Staates wird in erster Linie dadurch bestimmt, welchen Wert er dem menschlichen Leben beimißt. Die Menschen, die sich in einer politischen Gesellschaft zusammenschließen, erwarten vom Staat, daß er nicht nur Hab und Gut und die Freiheit, sondern zuerst einmal das Leben schützt. Die Liberalisierung der Abtreibung widerspricht diesem Prinzip. Sie bedeutet nicht nur, daß man bestimmten Menschen den gesetzlichen Schutz entzieht, sondern sie bedeutet zudem die Zerstörung der natürlichen Solidarität, noch ehe sie sich zu entfalten vermag. Auf Dauer führt dies zur Zerrüttung der Familie und des Sozialgewebes.

Die Feldzüge für die Liberalisierung der Abtreibung hatten bereits - teils zugegebenermaßen - zum Ziel, das Kind zu vernichten, weil es das schwächste Glied in der Familienkette bildet. Bei der Bioethik-Debatte, die aufgrund der Untersuchungen von Professor Jean-François Mattéi in Gang gekommen ist, geht es letztlich und vor allem um die Beschleunigung dieses Prozesses der Zerstörung der Familie.

Indem es in der Abtreibung die Vorreiterrolle übernommen hat, läuft Frankreich Gefahr, sein internationales Image als Vorreiter und Verfechter der Menschenrechte noch mehr zu verdunkeln, seitdem sich ein gewisser republikanischer Messianismus die Zerstörung der Familie an die Fahnen geheftet hat. Diese Form des laizistischen Gallikanismus mündet unweigerlich in der Zerstörung des Sozialgewebes. Was hier für Frankreich stimmt, ist auch in allen anderen europäischen Staaten zu erkennen.

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