Reicht die Erinnerung der Opfer aus, um uns vor einer neuen Barbarei zu schützen?

a) Unter denen, die auf die Verabschiedung ungerechter Gesetze drängen, in deren Namen Wehrlose hingerichtet werden, finden sich auch Personen, die den Nazi-Schergen zu Recht vorwerfen, sie hätten verbrecherischen Gesetzen gehorcht, und ihnen vorhalten, sie hätten sich diesen Gesetzen - auch bei eigener Gefahr für Leib und Leben - widersetzen müssen. Gestern, in Nürnberg also, schützten die Angeklagten das ungerechte Gesetz als Entschuldigungsgrund für ihre Verbrechen vor; heute wird vom Gesetzgeber verlangt, gleichen Verbrechen den Schutz des Gesetzes angedeihen zu lassen.

b) Daß niemand die gestrige Hinschlachtung Unschuldiger zur Rechtfertigung dafür ins Feld führt, heute neue gesetzliche Diskriminierungen zu erlassen, ist noch nicht das Schlimmste. Das Opfer der Märtyrer früherer Totalitarismen ist heilig. Niemand kann sich hinter der Erinnerung an diese Toten verstecken und glauben, er sei gegen heutige totalitäre Tendenzen immun.

c) Man würde sich wünschen, daß keiner, der unter der Nazibarbarei gelitten hat, in Theorie oder Praxis die weiterhin gültigen und zu ihren Gunsten und gegen ihre Henker ins Feld geführten Argumente verwirft, daß alle Menschen dieselbe Würde und dasselbe Recht auf Leben und Freiheit besitzen.

blint.gif (141 octets) Next page.

blint.gif (141 octets) Back to "Droht ein Ultra-Nazismus?".

blint.gif (141 octets) Back to "Inhaltsverzeichnis".